Citius, altius, fortius – Rekordjagd um jeden Preis?

Besprechung von „Doping. Dilemma des Leistungssports.“

von Haug, Tanja, merus verlag, Hamburg 2007. 248 Seiten. ISBN: 3-939519-27-8.

Monika Büttner

(Jena Deutschland)

Das Bild auf dem Einband des Buches erweckt den Anschein, als ob es sich bei dem im Titel angedeuteten „Dilemma“ um ein solches handelt, das besonders den Radsport betrifft. Die aktuellen Geschehnisse im deutschen Radsport legen diese Vermutung zumindest nahe. Doch Doping, so eine These Tanja Haugs, ist ein generelles Problem des (Hoch-)Leistungs­sports. Viele Faktoren spielten eine Rolle dabei, dass Profisportler zu illegalen leistungssteigernden Mitteln greifen. Diese Faktoren wurden bisher von verschiedenen Disziplinen ethischer, juristischer, soziologischer oder naturwissenschaftlicher Provenienz punktuell und unter singulären Gesichtspunkten diskutiert. Haug will in ihrer Abhandlung die Doping­problematik umfassender angehen, wobei sie die rechtlichen Gesichts­punkte und die sportethischen Argumente in den Vordergrund stellt. Im Focus ihrer Argumentation steht der Leistungssport, wobei sie auch dessen Auswirkungen auf den Freizeit- und Breitensport berücksichtigt.

Zunächst wird ein Überblick über die Drogenproblematik und deren Ver­ortung in der Ethik gegeben. Da der Sport als eine von der Gesellschaft abgekoppelte Eigenwelt mit speziellen Regeln zu betrachten sei, sei auch eine besondere Ethik vonnöten – die Sportethik. Dabei handelt die Autorin nicht die verschiedenen Arten von Sportethiken ab, sondern nennt Prinzipien, die in jeder Sportethik immer wieder auftauchen: Gerechtig­keit, Fairness, Gesundheit, Verantwortung und Mündigkeit. Über die Struktur und Autonomie des Sports klärt sie genauso auf wie über das Doping-Kontrollsystem. Der Ansatz einer kontrollierten Freigabe des Dopings wird von ihr von allen Seiten beleuchtet, das Für und Wider abge­wogen und schließlich abgelehnt. Ein ganzes Kapitel ist den Hintergründen des Dopinggeschehens gewidmet, in dem im Besonderen die Situation des Sportlers beleuchtet wird und nachvollziehbare Gründe genannt werden, warum er zur Leistungssteigerung zu unerlaubten Mitteln greift. Im Zusammenhang mit Dopingvergehen geht sie auch auf die unterschiedlichen Sanktionssysteme der Verbände ein, sowie die Straf­barkeit nach dem geltenden Recht Überlegungen zu einem kürzlich in Deutschland diskutierten Anti-Doping-Gesetz schließen ihre Arbeit ab.

Obwohl am Ende der Ausführungen klar ist, dass Doping im Sport von allen Parteien abzulehnen ist, bleibt Haug ein ernüchterndes Fazit: „Dass der Kampf gegen Doping jemals gewonnen werden kann, erscheint ausge­schlossen“. Zu wichtig seien die mit Sport verbundenen Interessen, zu komplex die den Sportler umgebende Konstellation. Nicht zuletzt sollte sich auf dem Weg zu einem saubereren Sport die Haltung des Zuschauers gegenüber den Sportlern ändern, indem nicht nur die Leistungen des Gewinners gewürdigt werden, sondern auch die der Besiegten.

Tanja Haug gibt in ihrem Buch einen umfassenden Überblick über die Vorder- und Hintergründe des Dopingsports. Sie richtet ihren Focus nicht nur auf rechtliche Folgen des Missbrauchs unerlaubter Mittel, sondern bettet die Überlegungen immer auch in einen ethisch-moralischen Kontext. Ihre Sprache ist dabei nüchtern und klar. Da sie zahlreiche und teilweise sehr ausführliche Anmerkungen zum Text gibt, wird der Lesefluss durch die Fußnoten bisweilen ein wenig gestört. Dieses Buch ist dennoch jedem zu empfehlen, der tiefer in die Dopingproblematik einsteigen möchte, um in der aktuellen Diskussion mitreden zu können.

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